Geisenheim

Aus RheingauerWein

Um das Jahr 500 gründeten Franken an der Mündung des Stegbachs, heute Blaubach, eine Siedlung, die sie "Gisenheim" nannten und aus der ein fränkischer Fron- und Königshof hervorging. Erste urkundliche Erwähnung i. J. 772, und in Verbindung damit taucht auch erstmals der Name des Rheingaues (Rhinechgowe) auf.

Geisenheim entwickelte sich bald zu einem wichtigen Zentrum im Rheingau mit früher Christianisierung, einem wichtigen Umschlagplatz der Rheinschiffahrt und Residenz der Rheingrafen. Die Pfarrkirche "Heilig Kreuz", die wegen ihrer stattlichen Doppelturmfassade als "Rheingauer Dom" bekannt ist, hatte mehrere Vorgängerkirchen. Die spätgotische Hallenkirche vom Anfang des 16. Jahrhunderts wurde von dem aus Geisenheim stammenden Architekt Philipp Hoffmann 1837-39 erweitert und mit der neugotischen Doppelturmfassade versehen. Anlaß für den Umbau war die Baufälligkeit der alten romanischen Doppelturmfassade, die noch aus einem Vorgängerbau des 12. J. H. stammte und seit dem Mittelalter auf dem Geisenheimer Ortswappen, Siegeln und Grenzsteinen abgebildet ist.

Der "Pfefferzoll", ein Fachwerkhaus mit Erker in der Zollstr. 21 erinnert an den seit dem frühen Mittelalter erhobenen einzigartigen Schiffszoll in Form von 1 Pfund Pfeffer, das von jedem vorbeifahrenden Schiff erhoben wurde. Ursprünglich handelt es sich dabei um eine Abgabe für eine erbrachte Leistung: Fernhandelskaufleute, die von Süden kommend den Rhein hinunterfuhren, konnten im Schutz des fränkischen Königshofes ihre kostbare Ladung, z.B. Gewürze, lagern, bevor sie mit dem Wagen auf dem sog. Kaufmannsweg am Steg- oder Steigbach entlang über Nothgottes und den Kammerforst nach Lorch transportiert wurden, um die gefährliche Rheinenge am Binger Loch zu umgehen. Hier wurden die Waren dann wieder auf Schiffen weitertransportiert.

Neben dem großzügigen Domplatz (Bischof-Blum-Platz) mit einem Ensemble schöner Fachwerkhäuser ist der Lindenplatz mit dem am Rathaus ein historisch wichtiger und auch heute noch beliebter Ortsmittelpunkt. Die namegebende Linde, das Wahrzeichen Geisenheims, wird auf mehr als 600 Jahre geschätzt. Sie dient als Tanz- und Gerichtslinde und zur Abhaltung der Ratsversammlungen, bis das 1481 erstmals erwähnte Rathaus direkt im Schatten der Linde erbaut wurde. 1857 wurde es durch das heutige Rathaus mit Freitreppe und Loggia ersetzt, und 1864 bekam Geisenheim die Stadtrechte verliehen. Der Lindenplatz ist das Zentrum des Geisenheimer Lindenfestes, das immer am 2. Juliwochenende gefeiert wird.

Vom 16. - 18. Jahrhundert wurden mehrere Adelsfamilien in Geisenheim ansässig. Ihre Schlösser und Höfe wurden rund um den alten Ortskern gebaut, wodurch das Ortsbild ein großartiges Aussehen bekam. Motiv für die Ansiedlung dürfte die Steuerfreiheit für Adel und Geistliche im Rheingau gewesen sein, sowie der gewinnbringende Weinbau, der verkehrsgünstige Rheinstrom und nicht zuletzt die Schönheit der Landschaft.

Die ältesten Weinbergslagen in Geisenheim sind der Kilzberg (1130) und der Rothenberg (1145).

Eduard von Lade ( 1817 - 1904 ), Sohn eines Geisenheimer Weinhändlers, konnte sich nach einem erfolgreichen internationalen Geschäftsleben schon früh in seiner Heimatstadt zur Ruhe setzten. Er widmet sich nun ganz seinem Hobby, der Obstzucht, und baute sich eine Villa mit großem Park "Schloss Monrepos". Ihm verdankt Geisenheim die Errichtung der Königlichen Lehranstalt für Obst- und Weinbau im Jahre 1872, wo schon 10 Jahre später die erfolgreiche Neuzüchtung aus Rheingauer Riesling und Sylvaner, Müller Thurgau, durchgeführt wurde, benannt nach ihrem Züchter Professor Müller aus Thurgau. Daraus haben sich die heutigen Forschungsanstalten sowie die Fachbereiche Weinbau / Getränketechnologie und Gartenbau / Landespflege der Fachhochschule Wiesbaden mit ca. 800 Studenten entwickelt.

Im Norden Geisenheims, eingebettet zwischen Wein und Reben, liegt der Stadtteil Marienthal, der sich nach dem 2. Weltkrieg in der Nachbarschaft des gleichnamigen Wallfahrtsort aus dem 14. Jahrhundert entwickelt hat. Hier existierte einstmals die erste Klosterdruckerei, als nämlich die "Brüder vom Gemeinsamen Leben", auch Kugelherren genannt, im Jahre 1465 die Betreuung des Wallfahrtsortes übernahmen und in ihrem Kloster eine Druckwerkstätte einrichteten, in der wahrscheinlich schon von 1468 bis 1484 gedruckt wurde, z. B. Ablassbriefe, Breviere, Beichtbücher.

Zusammen mit den in den siebziger Jahren eingemeindeten Orten Johannisberg und Stephanshausen beträgt die Einwohnerzahl heute ca. 13.000.

Quelle: Eltviller Gästeführer

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